KNUT MELLENTHIN

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Premierenfieber

Clinton begrüßt erste amerikanisch-iranische Begegnung. Iran dementiert.

Die Nachrichtenagenturen meldeten am Dienstag den ersten Smalltalk zwischen US-amerikanischen und iranischen Diplomaten seit Amtsantritt von Barack Obama. Am Rande der internationalen Afghanistan-Konferenz in Den Haag sei es zu einer Begegnung zwischen Obamas Sonderbeauftragtem für Afghanistan und Pakistan, Richard C. Holbrooke, und dem stellvertretenden iranischen Außenminister Mohammad Mehdi Akhondzadeh gekommen, erzählte Hillary Clinton den Journalisten. „Es ging um nichts Wesentliches. Die Begegnung war herzlich, ungeplant, und sie wollen miteinander in Verbindung bleiben“, sagte die offenbar froh gestimmte US-Außenministerin. Sie selbst habe jedoch „keinen direkten Kontakt“ zur iranischen Delegation gehabt.

Akhondzadeh widersprach dieser Darstellung gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Fars: Gespräche mit US-Regierungsvertretern hätten nicht stattgefunden. „Dass die andere Seite aus irgendwelchen Gründen das Thema hochspielt, ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass sie es ein bisschen eilig hat.“

Das Gleiche habe sich auch schon bei der Moskauer Afghanistan-Konferenz in der vorigen Woche abgespielt, setzte der iranische Diplomat hinzu. Tatsächlich hatte die Sunday Times am 29. März gemeldet, dass Akhondzadeh am Rande der Tagung mit Patrick Moon, einem für Süd- und Mittelasien zuständigen Diplomaten des US-Außenministeriums, zusammengetroffen sei. Auch in der Times wurde das angebliche Gespräch schon als „erstmalig“ bezeichnet. Das iranische Außenministerium dementierte.

Gegenüber Fars erläuterte Akhondzadeh, warum er scheinbar übergenau auf der iranischen Version besteht: „Wir befinden uns hier nicht in einem Suchen-und-Verstecken-Spiel. Unsere Politik ist absolut klar.“ Iran scheue Gespräche mit den USA überhaupt nicht. So hätten beispielsweise – im Frühjahr/Sommer 2007 – in Bagdad drei amerikanisch-iranische Treffen zur Lage im Irak stattgefunden. Sollten es demnächst wieder Gespräche zwischen beiden Staaten geben, „werden alle darüber informiert werden und es gibt nichts zu verbergen“.

Er habe sich während der Konferenz in Den Haag mit drei Außenministern – dem italienischen, dem norwegischen und dem australischen - getroffen, berichtete Akhondzadeh. „An einem Ort, wo so viele Kameras und Reporter sind, suchen wir natürlich kein Versteck auf, um irgendwelche Gespräche zu führen, wenn es sie denn gibt.“

Möglicherweise hat Clinton die etwas verschnupfte iranische Reaktion selbst provoziert. Sie hatte nämlich schon mehrere Wochen vor der Konferenz in Den Haag wiederholt verkündet, dass dort kein „separates Treffen“ mit der iranischen Delegation auf der Tagesordnung stehe. Vor diesem Hintergrund dann unabgesprochen den kurzen Smalltalk zwischen Holbrooke und Akhondzadeh – der gewiss wirklich stattgefunden hat und als solcher von den Iranern auch gar nicht bestritten wurde – an die große Glocke zu hängen, muss man zumindest als Ungeschicklichkeit interpretieren.

Obama hat – wie auch zu Afghanistan und zum Nahen Osten – bei seinem Amtsantritt eine gründliche Überprüfung der bisherigen Iran-Politik angeordnet. Es wird damit gerechnet, dass diese in den allernächsten Tagen abgeschlossen ist und die Ergebnisse in irgendeiner Weise der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Wahrscheinlich wird dann ein förmliches Gesprächsangebot – das es bisher trotz anderslautender Meldungen noch nicht gibt – im Mittelpunkt stehen.

Knut Mellenthin

Junge Welt, 2. April 2009