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Aufmarsch gegen China

Die USA feiern den Jahrestag des Beginn des Koreakrieges vor 62 Jahren – 25. Juni 1950 – auf ihre eigene Art: Am Freitag veranstalteten sie mit ihren südkoreanischen Verbündeten weniger als 50 Kilometer von der Grenze entfernt das größte Übungsschießen mit scharfer Artillerie- und Panzermunition seit jenem Krieg. Im Zielgebiet war eine weithin sichtbare große nordkoreanische Flagge postiert. Am Ende wurde die Fahne der Demokratischen Volksrepublik gegen die des „siegreichen“ Südkorea ausgetauscht. Mehrere hundert Medienvertreter und über 4000 Zuschauer verfolgten das Schauspiel.

Das Übungsschießen war das Vorspiel zu einem dreitägigen Land-, See- und Luftmanöver, das am Sonnabend begann. Beteiligt waren daran nach Pentagon-Angaben 8.000 Soldaten, mehr als hundert Kampfflugzeuge, ein US-Flugzeugträger und zehn südkoreanische Kriegsschiffe.

Die DVRK protestierte gegen die „Provokationen“ und kündigte an, sie werde ihre „nukleare Abschreckung verstärken“. Die Drohgeste Washingtons richtet sich darüber hinaus aber auch gegen das nahegelegene China. Die USA arbeiten am Wiederaufbau ihrer in den letzten Jahrzehnten teils aufgegebenen, teil verloren gegangenen Stützpunktkette in Südostasien. Reisen von Verteidigungsminister Leon Panetta und Generalstabschef Martin Dempsey in diesem Monat unterstrichen das strategische Ziel.

Panetta besuchte Anfang Juni Vietnam als höchstes Regierungsmitglied seit Ende des jahreslangen Krieges, den die USA dem Land aufgezwungen hatten. Ausgerechnet in Cam Ranh, einst der zentrale Militärhafen für den Nachschub der Aggressoren, äußerte der Pentagon-Chef den Wunsch nach mehr „Zugang“ für amerikanische Kriegsschiffe. Diese konnten in den vergangenen Jahren zwar schon wiederholt in vietnamesischen Häfen anlegen, nicht aber im Cam Ranh. Dabei sind die USA an diesem Ort besonders interessiert, weil es sich um einen Tiefwasser-Hafen handelt.

Kurz darauf war Dempsey in Thailand, auf den Philippinen und in Singapur zu Gast. Dort hat sich die US-Marine bereits gut positioniert: Aufgrund einer Anfang des Monats bekannt gegebenen Vereinbarung können die Vereinigten Staaten in dem Stadtstaat "auf Rotationsbasis" bis zu vier Kampfschiffen stationieren, die besonders auf den Einsatz in flachen Küstengewässern spezialisiert sind. Die Schiffe sollen ständig in der Region bleiben, nur die Mannschaften werden regelmäßig ausgetauscht.

In Thailand plant das Pentagon den Ausbau des Luftstützpunkts U-Tapao, der während des Vietnamkriegs angelegt wurde. Die USA können die dortige Landebahn – eine der längsten in Asien – bereits jetzt als Zwischenstation für Truppentransporte und als Manöverbasis nutzen.

Ihren letzten Marinestützpunkt auf den Philippinen, Subic Bay, mussten die USA 1992 unter politischem Druck räumen, nachdem sie 1991 schon die Clark Air Base aufgegeben hatten. Inzwischen hat das US-Militär längst begonnen, im Inselstaat wieder Fuß zu fassen. Das muss allerdings aufgrund der immer noch starken Opposition als „vorübergehender Aufenthalt“ deklariert werden. Unter diesem weitgefassten Titel unterhalten die USA nun allerdings schon seit 2002 rund 600 Soldaten auf der Insel Mindanao, die als Berater und Ausbilder an der Aufstandsbekämpfung teilnehmen. Ähnlich „zeitweilig“ möchte das Pentagon demnächst auch Militärstützpunkte nutzen können.

Bereits im November 2011 vereinbarten die USA mit Australien, dass dort bis zu 2500 Marines „rotierend“ stationiert werden können. Die Gesamtstärke soll 2017 erreicht werden.

Knut Mellenthin

Junge Welt, 26. Juni 2012