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Die USA verstärken ihre Luftangriffe gegen Ziele im Jemen und in Somalia. Bei mehreren Einsätzen unbemannter Flugkörper gegen verschiedene Ziele im Südjemen wurden am Mittwoch nach örtlichen Angaben zehn Menschen getötet. Es soll sich um fundamentalistische Aufständische gegen das mit den USA verbündete Regime gehandelt haben. Wie generell üblich gibt es keine Angaben US-amerikanischer Behörden zum Zweck der Drohnen-Angriffe und ihren Folgen. Seit Mai setzen die USA regelmäßig bewaffnete Drohnen gegen Jemen ein. Bis dahin hatte es nur einen einzigen Luftschlag im Mai 2002 gegen angebliche Al-Qaida-Angehörige gegeben.

In Somalia führten die USA ihren ersten Drohnen-Angriff am 23. Juni dieses Jahres durch. Er galt offenbar Kämpfern der islamistischen Organisation Al-Schabab, die mit einem Fahrzeug in der Nähe der südsomalischen Hafenstadt Kismajo unterwegs waren. Seither haben die örtlichen Medien über mehrere weitere Angriffe unbemannter Flugkörper berichtet. Aufklärungsflüge US-amerikanischer Drohnen über Somalia finden schon seit mehreren Jahren statt.

Als Basis für die Drohnen-Einsätze nutzen die USA hauptsächlich den französischen Stützpunkt in Dschibuti, der auch der NATO einschließlich der deutschen Bundeswehr zur Verfügung steht. Eine weitere Start- und Landbahn für unbemannte Flugkörper befindet sich auf einer Insel der Seychellen im Indischen Ozean, rund 1000 Kilometer östlich von Afrika. Die USA haben dort seit September 2009 mehrere Drohnen des Typs MQ-9 Reaper stationiert. Der vorgebliche Einsatzauftrag: Aufklärungsflüge im Rahmen der Piratenbekämpfung. Aus von WikiLeaks veröffentlichten Depeschen geht jedoch hervor, dass die Drohnen auch regelmäßig das somalische Festland überfliegen. Außerdem wurde von US-Dienststellen bereits darüber diskutiert, diese Drohnen mit Raketen auszurüsten. Technisch ist das ohnehin kein Problem, wurde aber bisher mit Rücksicht auf die Regierung der Inselgruppe unterlassen.

Auch in Äthiopien, dessen Regime mit den USA bei verdeckten Militär- und Geheimdienstoperationen im benachbarten Somalia eng zusammenarbeitet, soll eine Drohnen-Basis gebaut werden. Entsprechende Pläne und Diskussionen gibt es Pressemeldungen zufolge schon seit vier Jahren. US-Dienststellen stützen sich auf die Mitarbeit der Äthiopier unter anderem auch, um abgehörte Telefongespräche und abgefangene E-mails der Al-Schabab zu übersetzen und um Informationen in Somalia zu sammeln.

Darüber hinaus soll sich an einem unbekannten Ort auf der arabischen Halbinsel ein großer Stützpunkt für den Einsatz unbemannter Flugkörper im Bau befinden. Er könnte später auch als Ausgangspunkt für Drohnen-Einsätze gegen den Iran dienen.

Bewaffnete Drohnen sind die bedeutendste technische „Errungenschaft“ des globalen Kriegs, den die USA seit dem 11. September 2001 führen. Während diese Flugkörper vor zehn Jahren gerade erst militärisch einsatzbereit und nur in relativ geringer Zahl vorhanden waren, verfügen die USA jetzt über mehrere hundert oder sogar einige tausend Drohnen. Kontrolliert werden sie teils von der CIA, teils aber auch – wie angeblich im Fall der Angriffe gegen Ziele im Jemen – vom Joint Special Operations Command, dem Oberkommando der Spezialtruppen. Derzeit setzen die USA bewaffnete Drohnen gegen Afghanistan, Irak, Pakistan, Jemen, Somalia und Libyen ein.

Knut Mellenthin

Junge Welt, 23. September 2011