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Schon wieder ein General

Trumps neuer Sicherheitsberater will “Nachrüstung” gegen Russland

Die Aussichten auf eine Verbesserung der Beziehungen zwischen den USA und Russland haben sich weiter verschlechtert. Der seit dem 20. Januar amtierende Präsident Donald Trump stellte am Montag Generalleutnant Herbert Raymond  „H.R.“ McMaster als neuen Nationalen Sicherheitsberater vor. Der 54jährige ersetzt seinen ranggleichen Kollegen im Ruhestand, Michael Flynn, der von Trump am 13. Februar zum Rücktritt veranlasst wurde. Flynns bekanntestes Foto zeigt ihn im Dezember 2015 bei einem Festessen des russischen Nachrichtenportals RT als Tischnachbar von Präsident Wladimir Putin. Flynn symbolisierte neben Außenminister Rex Tillerson, dem früheren Chef des Erdölkonzerns Exxon, Trumps Wahlkampfversprechen, mit Russland „gut auskommen“ und Gelegenheiten zur Zusammenarbeit, etwa in Syrien, wahrnehmen zu wollen.

McMasters Hintergrund ist eher gegensätzlich. Er leitete eine Kommission, die nach der Ukraine-Krise 2014 eingesetzt wurde, um einen angenommenen Nachholbedarf der US-amerikanischen Streitkräfte gegenüber den russischen zu untersuchen und daraus praktische Vorschläge zu entwickeln. In mehreren Anhörungen vor Kongressausschüssen legte der General seine Überzeugung dar, dass „Kürzungen sowohl bei der Personalzahl wie auch bei der Ausrüstung“ zu einem erheblichen militärischen Rückstand der USA gegenüber „vielen potentiellen Gegnern“, insbesondere aber Russland geführt hätten. „Es besteht die Gefahr, dass unsere Armee künftig zu klein sein wird, um die Sicherheit unserer Nation zu gewährleisten“, warnte McMaster im April 2016 vor einem Unterkomitee des Streitkräfte-Ausschusses des Senats. Seine Botschaft: Die USA bräuchten dringend eine „Nachrüstung“ sowohl bei den konventionellen Landstreitkräften als auch auf dem Zukunftssektor des „cyberwar“.

Das stimmt grundsätzlich mit Trumps Ankündigungen während des Wahlkampfs überein. Seinen Behauptungen zufolge – von denen wie üblich viele nicht den Tatsachen entsprachen – befänden sich alle Waffengattungen auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten und seien stark überaltert. Vor allem für die Marine plant der neue Präsident ein gigantisches Rüstungsprogramm, das die Zahl der Kriegsschiffe von 276 auf 350 steigern soll. Das aktive Personal der Bodenstreitkräfte soll von 479.000 auf 540.000 verstärkt werden. Trump will außerdem die Raketenabwehr – deren „Vernachlässigung“ er seinem Vorgänger Barack Obama vorwirft – beschleunigt ausbauen und mehrere hundert Milliarden Dollar in die „Modernisierung“ des Atomwaffenarsenals stecken.

McMaster habe noch niemals zuvor in Washington gearbeitet, betonen die US-Medien. Damit verbinden die Kommentatoren politische Unerfahrenheit einerseits und Frische des Herangehens andererseits. Er gilt als einer der führenden „warrior-intellectuals“ der US-Streitkräfte, vielleicht sogar als der bedeutendste Vertreter dieser raren Spezies. Gemeint sind damit Militärs, die ein hohes Maß an eigener Kriegserfahrung mit einem wissenschaftlichen und strategischen Herangehen an das Thema verbinden.

McMaster war sowohl im ersten Irakkrieg 1991 als auch im zweiten ab 2003 und außerdem in Afghanistan im Einsatz. Besonders hervorgehoben wird seine Kommandofunktion bei der Aufstandsbekämpfung im Gebiet der irakischen Stadt Tell Afar. Unter seiner Führung gelang es damals, die Kämpfer von Al-Kaida aus der Region zu vertreiben. Heute wird die Stadt vom IS kontrolliert.

1997 promovierte McMaster mit einer Arbeit über den Vietnamkrieg. Er kritisierte darin sowohl die politische Führung unter Präsident Lyndon B. Johnson, die nicht fähig gewesen sei, diesen Krieg „richtig“ und „effektiv“ zu führen, als auch die Militärs, die den Politikern nicht widersprochen hätten. Der neue Sicherheitsberater gehört neben Tillerson und Verteidigungsminister James Mattis zu den wenigen, aber in Schlüsselpositionen befindlichen kompetenten und selbstbewussten Persönlichkeiten am Hofe des exzentrischen Dilettanten Trump.

Knut Mellenthin

23. Februar 2017