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US-Pläne für Militärintervention in Pakistan

Parallel zu den Kriegsvorbereitungen gegen Iran verdichten sich die US-amerikanischen Diskussionen über ein militärisches Eingreifen in Pakistan. Die New York Times berichtete am Montag über Geheimpläne des Special Operations Command in Tampa, Florida, sich die Unterstützung von Stammesführern in den umkämpften Gebieten von Nordwestpakistan zu kaufen. Stammesmilizen sollen, ausgerüstet mit US-amerikanischen Waffen, zum Kampf gegen "al Kaida" und "Taliban" eingesetzt werden. Das sogenannte Grenzkorps, aus Einheimischen gebildete Hilfstruppen der pakistanischen Armee in Stärke von 85.000 Mann, soll 350 Millionen Dollar zusätzliche Ausrüstungs- und Ausbildungshilfe erhalten. Die Pläne orientieren sich, so die Times, an den "erfolgreichen" amerikanischen Erfahrungen in der irakischen Provinz Anbar. Dort kommt es allerdings immer öfter vor, dass die US-Besatzer ihre sunnitischen Verbündeten bombardieren. Gegen die Effektivität der amerikanischen Pläne für Nordwestpakistan spricht auch, dass die meisten dieser Vorschläge von der pakistanischen Armee in den vergangenen Jahren schon ausprobiert wurden - und gescheitert sind.

Vor diesem Hintergrund schreibt die New York Times, es stelle sich die Frage, "ob eine solche Partnerschaft ohne eine erhebliche amerikanische Militärpräsenz in Pakistan geschaffen werden kann". Derzeit seien, so das Blatt, ungefähr 50 US-Offiziere in Pakistan tätig. Diese Zahl müsse mit Blick auf die neue Aufgabenstellung um mehrere Dutzend Mann erhöht werden.

Am Sonntag hatte die New York Times einen Leitartikel von Frederick W. Kagan und Michael O’Hanlon veröffentlicht, der sich mit Optionen für eine Militärintervention in Pakistan befasste. Kagan arbeitet für das von Neokonservativen dominierte, regierungsnahe American Enterprise Institute. O’Hanlon gehört zur auch nicht wesentlich ausgewogeneren Brookings Institution. Die beiden Autoren beschäftigen sich mit der Frage, wie US-Militär und -Geheimdienste sich im Krisenfall "präventiv" den Zugriff auf die pakistanischen Atomwaffen sichern könnten.

Ihre erste Option sieht einen quantitativ und in der Aufgabenstellung relativ begrenzten Einsatz von US-Spezialeinheiten vor. Ihr Ziel soll darin bestehen, bei einem drohenden Zusammenbruch des pakistanischen Militärregimes "zu verhindern, dass Pakistans nukleares Material und seine Gefechtsköpfe in falsche Hände geraten". Da die US-Stellen nicht einmal genau wissen, wo die ungefähr 50 Atomwaffen des Landes untergebracht sind, setzt dieser Plan eine gezielte Zusammenarbeit mit einzelnen Pakistanis voraus.

Die zweite Option beruht auf der "vorbeugenden" Stationierung ausländischer Streitkräfte im Zentrum Pakistans: in und um die Hauptstadt Islamabad und in der bevölkerungsreichsten Provinz Pundschab. Neben US-amerikanischem Militär soll auch die Beteiligung anderer westlicher Mächte und "gemäßigter" moslemischer Staaten angestrebt werden. Nach der Sicherung des Zentrums sollen diese Besatzungstruppen zur Unterwerfung der übrigen Landesteile eingesetzt werden.

Es ist zu befürchten, dass Kagan und O’Hanlan damit nicht nur eigene Phantasieprodukte präsentiert haben, sondern Überlegungen wiedergeben, wie sie in politischen und militärischen Kreisen der USA tatsächlich schon diskutiert werden.

Knut Mellenthin

Junge Welt, 20. November 2007