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London friert alle Kontakte zum Iran ein - US-Marine setzt größtes Manöver seit Beginn des Irakkriegs fort

Großbritannien hat am Mittwoch sämtliche bilateralen Kontakte zum Iran "eingefroren". Anlass ist der Konflikt um die 15 britischen Marinesoldaten, die am Freitag voriger Woche auf offener See vor dem Mündungsgebiet des irakisch-iranischen Grenzflusses Schatt al Arab von iranischen Grenztruppen festgenommen worden waren.

Gleichzeitig setzen die US-Streitkräfte ihre Drohgesten gegen Iran fort. Erstmals seit Beginn des Irakkrieges 2003 befinden sich seit Dienstag wieder zwei amerikanische Flugzeugträgergruppen im Persischen Golf. Zusätzlich zur "Eisenhower" kreuzt nun auch die "Stennis" im Golf. Sie war im Februar ins Arabische Meer, nahe zum Iran, aber außerhalb des Golfs, verlegt worden. Angeblich soll sie mit ihren Kampfflugzeugen die Kriegführung in Afghanistan unterstützen. Beide Flugzeugträger nehmen jetzt zusammen mit 13 anderen amerikanischen Kriegsschiffen am größten Flottenmanöver im Golf seit drei Jahren teil. Die Übung begann am Dienstag und soll noch mehrere Tage dauern. Geübt wird nach offiziellen Angaben die Bekämpfung feindlicher Flugzeuge und Schiffe, die Jagd auf U-Boote und die Räumung von Minen. Auch zwei amphibische Schiffe für Landeoperationen sind am Manöver beteiligt. Als dritter NATO-Flugzeugträger befindet sich die französische "Charles de Gaulles" im Golf, die aber offiziell nicht in die Übung einbezogen ist.

Angeblich besteht kein Zusammenhang zwischen dem überraschend angesetzten Manöver und dem Konflikt um die im Iran festgehaltenen britischen Soldaten. Sie hatten am Freitag vor dem Zwischenfall einen iranischen Frachter durchsucht, der PKWs an Bord hatte. Die Darstellungen, auf welcher Seite der Grenze sich der Zwischenfall abspielte, sind kontrovers. Das Londoner Verteidigungsministerium hat am Mittwoch auf einer Pressekonferenz Material präsentiert, mit dem es beweisen will, dass sich der durchsuchte Frachter rund drei Kilometer innerhalb der irakischen Hoheitsgewässer befand. Nach iranischen Angaben hingegen lag der Frachter 500 Meter weit von der Seegrenze entfernt in iranischen Gewässern vor Anker.
Allerdings ist der Grenzverlauf dort weder durch Bojen markiert noch vertraglich eindeutig geregelt. Der frühere britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, kritisierte das Vorgehen der britischen Kriegsmarine deshalb als "unnötig provokatorisch". Murray hatte seinen Posten verloren, nachdem er die Teilnahme am Irakkrieg kritisiert hatte.

In einer Rede vor dem Parlament kündigte der britische Premierminister Anthony Blair am Mittwochnachmittag an, den Druck auf Teheran zu erhöhen, "um sicher zu stellen, dass die iranische Regierung ihre vollständige Isolierung in dieser Sache begreift". Großbritannien befinde sich jetzt in Gesprächen mit seinen wichtigsten Verbündeten und Partnern über die nächsten Schritte. Gleichzeitig gab Außenministerin Margaret Beckett bekannt, dass Großbritannien mit Ausnahme der Gespräche über die Freilassung der 15 Soldaten sämtliche Kontakte zum Iran "eingefroren" habe.

Knut Mellenthin

Junge Welt, 29. März 2007