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Russland liefert Brennstäbe für iranischen Reaktor

Russland hat, wie erst am Montag bekannt wurde, am Sonntag mit der Lieferung von Brennstäben für das kurz vor der Fertigstellung stehende iranische Atomkraftwerk Buschehr begonnen. Insgesamt sollen bis Februar kommenden Jahres 82 Tonnen Nuklearbrennstoff geliefert werden. Das soll reichen, um den ersten von zwei Reaktoren in Buschehr rund ein Jahr lang zu betreiben. Nach dem bisherigen Zeitplan ist damit zu rechnen, dass der Reaktor etwa im Juni betriebsfertig sein wird. Es wird befürchtet, dass Israel - analog zum Angriff auf den irakischen Reaktor Osirak 1981 - versuchen könnte, die am Persischen Golf gelegene Anlage zu zerstören, bevor das AKW mit Brennstäben bestückt wird.

Der Bau war 1974, also noch zu Zeiten der Schah-Herrschaft, unter Führung der deutschen Kraftwerk-Union AG begonnen worden. Nach der "islamischen Revolution" (1979) stieg die KWU aus dem Projekt aus. Die iranische Regierung suchte jahrelang nach ausländischen Firmen, die bereit wären, den Bau fortzusetzen. Alle Interessenten sprangen unter amerikanischem Druck ab, bis schließlich im Januar 1995 ein Vertrag mit dem russischen Staatsunternehmen Atomstroiexport zustande kam. Die Rede war zunächst von einer Bauzeit von vier Jahren. Die Fertigstellung wurde jedoch von der russischen Seite immer wieder verschoben. Der letzte, 2006 vereinbarte Zeitplan sah den Abschluss der Arbeiten im September 2007 vor. Atomstroiexport ließ auch diesen Termin platzen, mit der von Teheran jedoch bestrittenen Begründung, Iran befinde sich mit den Zahlungen im Rückstand.

Der jetzt begonnenen Lieferung der Brennstäbe waren ein Besuch von Präsident Wladimir Putin in Teheran im Oktober und Spitzengespräche auf Fachebene Mitte November vorausgegangen. Der gesamte Ablauf steht unter vollständiger Kontrolle der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), die exakt überwacht, dass kein Nuklearbrennstoff auf den Transportwegen verloren geht. Zusätzlich hat Russland sich vom Iran schriftlich zusichern lassen, dass das Material ausschließlich in Buschehr verwendet wird.

Das russische Außenministerium verband den Beginn der Lieferungen mit einem Appell an Iran, nunmehr alle Arbeiten an der Uran-Anreicherung einzustellen, da sie auf absehbare Zeit überflüssig geworden seien. In die selbe Kerbe schlug auch US-Präsident Bush, der sich zustimmend zu den russischen Lieferungen äußerte und erklärte, nun bräuchten die Iraner nicht mehr zu lernen, wie man selbst schwach angereichertes Uran für Brennstäbe produziert.

Russland und Iran haben sich in den vergangenen Wochen sehr optimistisch über die Perspektive ihrer Wirtschaftsbeziehungen geäußert. Unter anderem wurde darauf verwiesen, dass sich das Handelsvolumen zwischen beiden Staaten in den ersten neun Monaten 2007 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres verdoppelt hat. Auf der anderen Seite haben sich russische Energieunternehmen wie Lukoil besorgt über die amerikanischen Strafmaßnahmen gegen Kooperationspartner der iranischen Ölindustrie geäußert. Der Trend geht zur Zurückhaltung bei neuen Investitionen.

Knut Mellenthin

Junge Welt, 19. Dezember 2007