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Humanitäre Katastrophe immer schlimmer

Pakistanische Regierung will Bürgerkriegsgebiet ausweiten. Jetzt schon über drei Millionen Flüchtlinge.

Die pakistanische Regierung trifft nun auch in den sogenannten Stammesgebieten (FATA), vor allem in Nord- und Südwasiristan, Vorkehrungen für die Aufnahme von Flüchtlingsströmen. Die englischsprachige Zeitung Dawn meldete am Mittwoch, dass Zeltlager für 200.000 Menschen eingerichtet werden sollen. Präsident Asif Ali Zardari hatte am Sonntag in einem Interview mit der britischen Sunday Times angekündigt, dass er seine Militäroffensive gegen die Taliban demnächst auch auf Wasiristan ausweiten will: „Wir werden auch nach Wasiristan und in all diese Gebiete mit Armee-Operationen gehen. Swat ist nur der Anfang. Es gilt, einen ausgedehnteren Krieg zu führen.“

Seit Ende April führen die pakistanischen Streitkräfte in drei Bezirken der Nordwest-Grenzprovinz (NWFP) Krieg gegen die Taliban. Der Informationsminister der Provinz gab am Dienstag die Zahl der registrierten Flüchtlinge und Vertriebenen in der Region mit über 2,5 Millionen an. Hinzu kommen mehr als 500.000 Menschen, die schon vor der jetzigen Offensive ihre Heimat und ihre Lebensgrundlage verlassen mussten. Pakistan weist damit die höchste Flüchtlingszahl der Welt auf. Die Regierung in Islamabad, die nach eigenen Aussagen den Bürgerkrieg bis zur Vernichtung des allerletzten Taliban fortsetzen will, hatte für die voraussehbaren Folgen ihrer Großoffensive keine Vorkehrungen getroffen und bittet jetzt die Welt um Hilfe.

Der Vertreter des Pentagon in Islamabad, Admiral Michael LeFever, teilte am Donnerstag mit, dass sich die Flüchtlingszahl nach Ansicht der pakistanischen Regierung längerfristig bei 1,5 Millionen einpendeln werde, die auch im nächsten Winter noch versorgt werden müssen.

Weniger als ein Fünftel der Flüchtlinge leben zur Zeit in Zeltlagern. Die übrigen sind vorläufig bei Verwandten, Freunden und Stammesangehörigen untergekommen. In den Bürgerkriegsgebieten sind inzwischen Lebensmittel sehr knapp geworden. Zugleich sind die Preise in die Höhe geschossen.

Knut Mellenthin

Junge Welt, 22. Mai 2009