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"Mit Söldnern nichts zu tun"

Die somalische Übergangsregierung rückt von ihrer Zusammenarbeit mit einem internationalen "Sicherheitsunternehmen" ab

Das Abkommen zwischen dem „Sicherheitsunternehmen“ Saracen International und der somalischen Übergangsregierung (TFG) steht offenbar kurz vor dem Scheitern. Informationsminister Abdulkarim Dschama erklärte am Sonntag, ein Untersuchungsausschuss, dem er selbst angehört, tendiere zu der Ansicht, dass die geplante Kooperation keine gute Sache wäre: „Wir brauchen Hilfe, aber keine Söldner“. Ähnlich äußerte sich auch Verteidigungsminister Abdulhakim Mohamud Hadschi Faqi, der aber zugleich ausdrücklich die Möglichkeit offen hielt, dass die Übergangsregierung mit anderen Privatunternehmen zusammenarbeiten könnte, um die Kampfkraft ihrer Truppen zu verbessern.

Eine definitive Entscheidung über den Saracen-Deal soll jedoch erst bekannt gegeben werden, nachdem der Ausschuss dem Parlament seinen Bericht vorgelegt hat. Das soll voraussichtlich im Laufe dieser Woche geschehen. Die vierköpfige Kommission war Ende Dezember von der TFG eingesetzt worden, nachdem das Parlament Aufklärung über den Inhalt der Vereinbarungen mit Saracen gefordert hatte. Das schon im Mai geschlossene Abkommen war zunächst geheimgehalten worden, doch waren seit Anfang Dezember immer mehr Einzelheiten durchgesickert. So weit bisher bekannt sollte das Unternehmen Truppen sowie Objekt- und Personenschützer ausbilden. Über die Geldgeber im Hintergrund – die TFG selbst hat praktisch kaum Etatmittel – wurde bisher lediglich mitgeteilt, dass es sich um einen oder mehrere moslemische Staaten handelt. Im Gespräch sind vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien.

Die Entscheidung der Übergangsregierung, das Abkommen zu kündigen, wurde maßgeblich durch Berichte beeinflusst, dass der Gründer der berüchtigten Söldnerfirma Blackwater, Erik Prince, an der Kooperation beteiligt sei. Grundlage dieser Meldungen war ein Dossier der Afrikanischen Union, des Dachverbands aller Staaten des Kontinents, das US-amerikanischen Medien zugespielt worden war. Die Nachrichtenagentur AP meldete am Donnerstag, dass Prince an der geplanten Ausbildung von insgesamt 2000 somalischen Rekruten beteiligt sei, die angeblich zur Piratenbekämpfung eingesetzt werden sollten.

Ein Sprecher von Prince bestätigte, dass sein Chef mehrfach als Berater bei der Bekämpfung der Seeräuberei tätig geworden sei und auch daran interessiert sei, die somalische Übergangsregierung zu unterstützen. Er bestritt aber, dass Prince beim Deal mit Saracen International eine „finanzielle Rolle“ spiele. Berichten zufolge hat der Blackwater-Gründer nach einer Reihe von Skandalen das Unternehmen in Xe-Services umbenannt und inzwischen seine Anteile daran verkauft. Seit mindestens einem Jahr lebt er hauptsächlich in Abu Dhabi und hat angeblich enge Kontakte zur Regierung der Vereinigten Emirate – die als mutmaßgeblicher Geldgeber für den Saracen-Deal im Gespräch ist.

Noch bevor das Abkommen der TFG mit dem „Sicherheitsunternehmen“ für Aufregung in Mogadischu sorgte, war Anfang Dezember bekannt geworden, dass Saracen schon seit einigen Zeit Truppen für den Separatistenstaat Puntland ausbildet. TFG-Informationsminister Dschama forderte Puntland jetzt auf, sich der Entscheidung der Übergangsregierung anzuschließen und das Abkommen zu kündigen. Die puntländische Regierung verweigerte daraufhin eine Stellungnahme.

Knut Mellenthin

Junge Welt, 26. Januar 2011