KNUT MELLENTHIN

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Nach Koreas Atomtest verstärkt Israel Polemik gegen Iran (12.10.2006)

Nach Koreas Atomtest verstärkt Israel Polemik gegen Iran

Israelische Politiker sind zuversichtlich, dass sie den koreanischen Atomtest für ihre Kampagne gegen Iran ausschlachten können. Tel Avivs Botschafter bei den Vereinten Nationen, Dan Gillerman, sagte am Dienstag im israelischen Fernsehen: "Ich habe das Gefühl, dass dieser Test und das internationale Meinungsklima uns zur Hoffnung berechtigen, dass wir auch gegenüber Iran mit entschiedeneren Aktivitäten des Sicherheitsrats rechnen können." "Die Welt versteht weitgehend, was jetzt in Nordkorea passiert. Was Iran zu tun im Begriff ist, könnte noch weitaus schlimmer, sehr viel furchterregender und sehr viel gefährlicher sein."

General Ephraim Sneh, ein einflussreicher Politiker und Militärexperte der israelischen Arbeitspartei, kommentierte im Rundfunk den Atomtest ähnlich: "Vielleicht lässt sich die Welt diese Sache in Nordkorea eine Lehre sein, was das Thema Iran angeht." "Die israelische Politik muss sich den Vorgang zunutze machen, um die internationale Gemeinschaft zu überzeugen, indem sie sagt: Tut etwas , bevor es zu spät ist."

Israelische Politiker sind bemüht, den koreanischen Atomtest als "gefährliches Präzedenz" darzustellen. Iran könne sich dadurch ermutigt fühlen, das ihm unterstellte Atomwaffen-Programm beschleunigt fortzusetzen. Kabinettsminister Binjamin Ben-Eliezer erklärte, der Test erhöhe die Bedrohung Israels: "Iran wartet jetzt, wie die Welt darauf reagiert. Wenn die Welt nicht stark reagiert, kann das zum Beschleuniger für den Anreicherungsprozess des iranischen Atomprogramms werden."

Israelische Politiker äußerten darüber hinaus Befürchtungen, dass Nordkorea dem Iran jetzt Material und Technologie für die Entwicklung eigener Atomwaffen zur Verfügung stellen könnte. Regierungssprecherin Miri Eisin verwies in diesem Zusammenhang auf die Lieferung koreanischer Raketentechnik an Iran.

Prominente Neokonservative in den USA äußerten sich ähnlich. Dan Blumenthal vom American Enterprise Institute (AEI), einer Schaltstelle zwischen Regierung und Neokonservativen, sagte mit deutlichem Bezug auf Iran, dass der koreanische Atomtest die Vergeblichkeit von Verhandlungen mit "Schurkenregimen" zeige. Jetzt müsse die "Doktrin der Präventivschläge" im Vordergrund stehen. Auch Michael Rubin vom AEI erklärte, dass der Test "allen Argumenten, man könne sich mit Diktatoren arrangieren, den Boden entzogen hat". Die US-Regierung stehe jetzt vor einer "Wegscheide" in ihren Beziehungen zu anderen Staaten. "Die Krise betrifft nicht nur Korea, sondern auch Iran, Syrien, Venezuela und Kuba", so Rubin. Präsident George W. Bush müsse "kraftvoll antworten und zeigen, dass Widersetzlichkeit Konsequenzen hat".

David Frum, der frühere Redenschreiber von Bush und Erfinder der Achse des Bösen", schlägt jetzt vor, Japan zum Aufbau einer eigenen Atommacht zu drängen. Das wäre, so Frum, auch eine Warnung an Iran, dass die USA künftig Israel noch stärker militärisch unterstützen könnten.

Knut Mellenthin

Junge Welt, 12. Oktober 2006