KNUT MELLENTHIN

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Selbstverteidigungsbomben für Israel

Die US-Firma Boeing wird Israel voraussichtlich 1000 Bomben vom Typ GBU-39 liefern. Sie werden zum Zerstören stark verbunkerter Anlagen eingesetzt und steuern angeblich ihre Ziele mit fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit mit einer Maximalabweichung von nur 5 bis 8 Metern an. Mit 70.000 bis 90.000 Dollar pro Stück kann diese Bombe als verhältnismäßig billig gelten. Es handelt sich um eine hochmoderne Waffe, die erst im Oktober 2006 von den US-Streitkräften erstmals kriegsmäßig eingesetzt wurde. Da Israel diese Bomben mit hoher Wahrscheinlichkeit für Luftschläge gegen Iran einsetzen will, hatte die US-Regierung sich gegen den Verkaufsantrag, der schon seit einiger Zeit auf dem Tisch liegt, zunächst gesträubt. Noch am 11. September hatte die israelische Tageszeitung Haaretz irrtümlich gemeldet, der Verkauf dieser Waffen an Israel sei von der US-Regierung abgelehnt worden.

Am selben Tag jedoch unterrichtete die Behörde für Sicherheitszusammenarbeit des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums den Kongress darüber, dass die 1000 Bomben möglicherweise geliefert werden sollen. Das ist formal betrachtet noch keine definitive Entscheidung, kommt ihr aber in der Praxis sehr nahe, da vom Kongress kein Widerstand zu erwarten ist. Im Schreiben des Pentagon wird behauptet, der vorgeschlagene Verkauf beeinträchtige „das grundsätzliche militärische Gleichgewicht in der Region“ nicht, und es handle sich um die Aufrechtrechterhaltung der israelischen „Fähigkeit zur Selbstverteidigung“. Außerdem findet sich der übliche routinierte Satz: „Israels strategische Position macht es lebenswichtig für die Interessen der Vereinigten Staaten im gesamten Nahen Osten.“

Die GBU-39 hat, abgesehen von größerer Zielgenauigkeit, einen weiteren entscheidenden Vorteil gegenüber früheren Bunker-Buster-Bomben: Sie ist bei gleicher Durchschlagskraft sehr viel leichter als jene. Das bedeutet beispielsweise, dass ein Kampfflugzeug jetzt vier dieser Bomben transportieren kann statt nur einer. Oder, und darauf kommt es wahrscheinlich in diesem Fall an: Ein Flugzeug kann mit einer dieser Bomben eine erheblich längere Distanz zurücklegen als mit einer des alten Typs. Israel hatte im Jahr 2005 schon Bomben des älteren Typs GBU-28 aus USA erhalten, was damals weithin als Anzeichen für einen bevorstehenden Angriff gegen Iran interpretiert worden war.

Wie Haaretz am 11. September berichtete, sind die GBU-39 Teil eines langen israelischen Wunschzettels, der der US-Regierung schon vor einigen Monaten übergeben wurde. Er enthält nach Angaben der Zeitung unter anderem auch die Bitte, der israelischen Luftwaffe einen „Korridor“ über dem Irak für Angriffe auf Iran freizugeben. Washington habe dies abgelehnt mit der Empfehlung, sich in dieser Angelegenheit direkt an die irakische Regierung zu wenden.

Knut Mellenthin

Junge Welt, 16. September 2008