KNUT MELLENTHIN

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Babynahrung und Lenkraketen

Präsident George W. Bush schickt Decken, Babynahrung, Windeln, Trinkwasser "und andere Güter" nach Georgien. Vielleicht sind es letztere, die es erforderlich machen, zwei Kriegsschiffe für den Transport einzusetzen. Darunter nach ersten Agenturmeldungen der mit bis zu 90 Cruise Missiles ausgestattete Zerstörer US McFaul. Mit einer Reichweite von 2500 Kilometer könnten die Lenkraketen nicht nur die Babynahrung vor Piraten schützen, sondern auch Ziele tief im russischen Hinterland treffen. Der martialische Hilfsgütertransport, zu dem auch ein Kreuzer der US-Küstenwache gehört, sollte vermutlich schon am Donnerstag durch den Bosporus ins Schwarze Meer einfahren.

Bush hatte die Hilfsaktion, die mehr wie eine brisante militärische Provokation aussieht, am Donnerstag voriger Woche angekündigt und drohend hinzugefügt: "Wir verlangen von Russland, sicherzustellen, dass alle Verkehrs- und Transportlinien, einschließlich Seehäfen, Flughäfen, Straßen und Luftraum für die Lieferung humanitärer Hilfe und für den Zivilverkehr offengehalten werden."

Zu diesem Zeitpunkt herrschte im Kaukasus noch Krieg. Georgiens Präsident Michail Saakaschwili reagierte mit Triumphgeschrei auf das Versprechen: Damit werde das US-Militär die Kontrolle und den Schutz der georgischen Häfen und Flugplätze übernehmen. Die erste Hilfslieferung, eine C-17-Transportmaschine der US-Luftwaffe, landete noch am selben Tag in Tbilissi. An Bord befand sich ein zwölfköpfiges "Einschätzungsteam", das den georgischen Hilfsbedarf feststellen soll. Offenbar nicht nur den zivilen Bedarf, denn zur Arbeitsgruppe gehören laut Washington Post auch Militärs, die zuvor als Ausbilder in Georgien tätig waren.

Der militärisch von vornherein aussichtslose Überfall auf Südossetien soll sich für Georgien lohnen, sonst wäre er wahrscheinlich gar nicht unternommen worden. Der stellvertretende Außenminister Giga Bokeria, ein enger Vertrauter Saakaschwilis, plauderte am 17. August aus: „Es ist tragisch, dass Georgien diesen Preis zahlen musste, um viele europäische Länder von der Notwendigkeit zu überzeugen, die russischen Friedenstruppen abzulösen. Und unglücklicherweise mussten wir einen hohen Preis dafür zahlen.“

Die Ersetzung der in Südossetien und Abchasien stationierten Russen durch NATO-Truppen ist eine langjährige Forderung der georgischen Führung. Es ist damit zu rechnen, dass dies schon in Kürze ein zusätzlicher Streitpunkt zwischen NATO und Russland werden wird. Darüber hinaus wollen die USA Georgien helfen, seine angeschlagenen Truppen wieder aufzurüsten und noch weiter zu modernisieren, wie General John Craddock, Europa-Chef der US-Streitkräfte, am Donnerstag in Tbilissi versprach. Nicht nur in Russland sorgt man sich, dass die georgische Führung zur militärischen Revanche ermutigt wird.

Knut Mellenthin
Junge Welt, 21. August 2008