KNUT MELLENTHIN

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Pate des Tages

Die Kundgebung von Zehntausenden Oppositionsanhängern vorm georgischen Parlament in Tbilissi am 2. November verlief fast ohne Zwischenfälle. Fast - mit Ausnahme des von Polizisten vereitelten Versuchs einiger Demonstranten, ein benachbartes Regierungsgebäude zu stürmen. Ihren Zorn hatte ein an der Fassade hängendes großes Transparent erregt, auf dem der bekannteste Finanzmann des Landes, Badri Patarkatsischwili, als Puppenspieler zu sehen war, der die Oppositionspolitiker an Fäden hält.

Der 52jährige Milliardär war auf der Massenkundgebung auch leibhaftig zu sehen und zu hören: als Redner. Einen Tag vorher hatte Patarkatsischwili offiziell seine Absicht angekündigt, dem Oppositionsbündnis unter die Arme zu greifen. Die Financial Times zitierte ihn am 1. November mit den Worten: "Ich habe die Rosenrevolution finanziert und jetzt finanziere ich ein stabiles Land und einen verfassungsmäßigen Regierungswechsel."

Patarkatsischwili war in den 90er Jahren ein enger Freund und Geschäftspartner von Boris Beresowski, als in Russland unter der schützenden Hand von Präsident Boris Jeltzin in wenigen Jahren Milliardenvermögen zusammengeraubt wurden. Im Juni 2001, als Jeltzins Nachfolger Wladimir Putin die Luft für Milliardäre dünner werden ließ, setzten sich die beiden Freunde aus Russland ab, um Haftbefehlen zu entgehen: Beresowski nach London und Patarkatsischwili in seine Geburtsstadt Tbilissi.

Anfang war der Milliardär bemüht, sich mit allen politischen Kräften Georgiens gut zu stellen. Er investierte zig Millionen Dollar in die Wirtschaft des Landes, kaufte Immobilien im großen Stil, baute ein Medienimperium auf. Seit vorigem Jahr hadert Patarkatschiswili öffentlich mit der Regierung, der er eine Art Schutzgelderpressung vorwirft: Georgiens Unternehmer werden genötigt, hohe Beträge in einen Fond einzuzahlen, der offiziell der Finanzierung der explodierenden Militärausgaben zugute kommen soll, daneben aber angeblich auch zur privaten Bereicherung einiger Politiker dient. Im März 2007 meldeten Medien, dass sich Patarkatsischwili in London niederlassen und nicht mehr nach Georgien zurückkehren wolle. Aber er entschied sich stattdessen dafür, sich offen und offensiv in die Innenpolitik seines Heimatlandes einzuschalten.

Der Ende September verhaftete, inzwischen ins Ausland abgeschobene frühere Verteidigungsminister Irakli Okruaschwili hatte eng mit dem einflussreichen Finanzmann zusammengearbeitet. Zu den Vorwürfen, die der Politiker vor seiner Verhaftung gegen Präsident Saakaschwili erhob, gehörten Mordpläne gegen Patarkatsischwili. Inzwischen hat der Milliardäre damit begonnen, Teile seines georgischen Besitzes zu verkaufen. So ging Ende Oktober sein Fernsehsender Imedi, der bedeutendste Privatsender des Landes, in den Besitz der News Corporation über, deren Vorstandsvorsitzende der aus Australien stammende neokonservative Pressezar Ruper Murdoch ist.

Knut Mellenthin

Erweiterte Fassung eines am 5. November 2007 in der Jungen Welt erschienenen Textes