KNUT MELLENTHIN

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Gerüchte um "Bunker-Bomben"

Israelische Kampfflugzeuge haben am frühen Montagmorgen erneut einen vermuteten Schmuggel-Tunnel an der Grenze zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen bombardiert. Nach ersten Berichten kam niemand zu Schaden. Bereits am Freitag hatte Israels Luftwaffe zwei Tunnel im selben Gebiet angegriffen. Das Krankenhaus in Rafah meldete 12 Verletzte, zwei davon mit schweren Verwundungen. Die Schmuggel-Tunnel dienen dazu, lebenswichtige Güter aus Ägypten nach Gaza zu bringen. Israel hat über das Gebiet vor drei Jahren eine nahezu vollständige Blockade verhängt, die durch Maßnahmen des ägyptischen Regimes ergänzt wird.

Israel begründet seine neuen Militäraktionen mit dem Abschuss mehrerer Raketen aus dem Gaza-Gebiet. Dabei wurde am Donnerstag ein thailändischer Arbeiter in der Nähe der Stadt Aschkalon getötet.

Unterdessen trafen Binjamin Netanjahu und sein Verteidigungsminister Ehud Barak am Montag zu einem Besuch in Washington ein. Der israelische Regierungschef sprach dort am Abend auf der Jahreskonferenz der Pro-Israel-Lobby AIPAC . Am heutigen Dienstagabend trifft er US-Präsident Barack Obama. Neben dem Nahost-Konflikt soll die gemeinsame Kampagne gegen Iran Hauptthema des Gesprächs sein. Die in London erscheinende Sunday Times meldete am Sonntag unter Berufung auf eine anonyme Quelle, dass Netanjahu die Gelegenheit nutzen wolle, um von den Waffen für Militärschläge gegen den Iran zu erbitten. Hauptsächlich soll es dabei um „Bunker-Buster“-Sprengköpfe gehen, mit denen gelenkte Gleitbomben ausgerüstet werden können. Sie dienen zur Zerstörung unterirdischer und durch Beton gehärteter Anlagen. Angeblich hatte sich Obamas Vorgänger George W. Bush geweigert, Israel diese Sprengköpfe zu liefern. Der Sunday Times zufolge will Netanjahu die Waffen jetzt als „Gegenleistung“ für „Gesten des guten Willens“ deklarieren, die Israel angeblich gegenüber den Palästinensern praktizieren will.

Die Londoner Sonntagszeitung ist bekannt für unsolide, ungesicherte Berichte, bei denen es sich oft um geheimdienstlich lancierte Desinformationen zu handeln scheint. Indessen passt die neue Meldung zu einem am 14. März im Sunday Herald erschienenen Artikel. Danach ist ein Schiffstransport mit 387 Gleitbomben verschiedener Typen aus Kalifornien zum Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean unterwegs. Der Kontrakt für diese Aktion sei bereits im Januar unterzeichnet worden. Der Auftrag sei zuvor von der US-Kriegsmarine öffentlich ausgeschrieben worden, berichtet das im schottischen Glasgow erscheinende Blatt. Es nennt darüber hinaus auch die ausführende Reederei, das in Florida ansässige Unternehmen Superior Maritime Services, und den Preis für den Transport: rund 700.000 Dollar. Das Pentagon lehnte einen Kommentar zu der detaillierten Darstellung des Sunday Herald ab.

Diego Garcia untersteht zwar rechtlich Großbritannien, wird aber schon lange fast ausschließlich von den USA genutzt. Neben einem symbolischen Kontingent von 50 Briten sind dort 3200 Angehörige der US-Streitkräfte ständig stationiert. Der Stützpunkt wurde 1991 und 2003 für Luftangriffe gegen Irak benutzt. Er wäre auch eine wichtige Basis für Militärschläge gegen Iran.

Knut Mellenthin
23. März 2010