KNUT MELLENTHIN

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Dank an die Mudschaheddin

Somalische Islamisten erklären sich für die Attentate in Uganda verantwortlich

Die Spur der Bombenanschläge in der ugandischen Hauptstadt Kampala führt anscheinend nach Somalia. Medien und Nachrichtenagenturen meldeten am Montag entsprechende Äußerungen des offiziellen Sprechers der islamistischen Organisation Al-Schabab, Ali Mohamud Rage. Den Berichten zufolge soll er gegenüber Journalisten erklärt haben: „Al-Schabab steckt hinter den zwei Explosionen in Uganda. Wir danken den Mudschaheddin, die den Angriff durchführten. Wir richten eine Botschaft an Uganda und Burundi, dass es weitere Anschläge geben wird, wenn sie ihre AMISOM-Truppen nicht aus Somalia abziehen.“

Die ausschließlich in der Hauptstadt Mogadischu stationierte „Friedenstruppe“ AMISOM besteht aus 2700 ugandischen und 2550 burundischen Soldaten. Ihre einzige Aufgabe ist es, die letzten Bastionen der sogenannten Übergangsregierung zu schützen, die im Jahr 2004 unter dem Patronat der UNO und der Afrikanischen Union, der Dachorganisation aller Staaten des Kontinents, eingesetzt wurde. Die „Übergangsregierung“ hat bis heute kein demokratisches Mandat durch Wahlen. Das ostafrikanische Staatenbündnis IGAD gab in der vorigen Woche die Absicht bekannt, weitere 2000 Soldaten zur Verstärkung der AMISOM nach Mogadischu zu schicken. Gerüchteweise verlautete dazu, dass diese hauptsächlich von Uganda gestellt werden sollten.

Die Zahl der Todesopfer von Kampala ist inzwischen auf mindestens 74 gestiegen. Darunter sollen sich nach offiziellen Angaben 60 Ugander, neun Äthiopier oder Eritreer, eine Irin, ein US-Amerikaner und ein „Asiat“ befinden. Zwei Tote waren bis Dienstag noch nicht identifiziert. Mindestens 85 Menschen wurden verletzt. Am späten Sonntagabend waren mehrere Bomben in einem Restaurant und in der Bar eines Rugby-Clubs explodiert. Beide Lokalitäten waren wegen der TV-Übertragung des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft überfüllt.

AMISOM wird für zahlreiche Tote und Verletzte in der Zivilbevölkerung von Mogadischu verantwortlich gemacht. Die „Friedenstruppe“, die im Gegensatz zu allen somalischen Bürgerkriegsparteien über Panzer und schwere Artillerie verfügt, schießt nach Angriffen der Islamisten oft wahllos Granaten auf Wohnviertel. Al-Schabab hatte deswegen zwar schon mehrmals mit „Vergeltungsaktionen gegen die ugandische Regierung“ gedroht. Das macht aber Bombenanschläge gegen Fußballfans nicht plausibel. Selbst der Umstand, dass die somalischen Islamisten öffentliche Sportveranstaltungen und deren Übertragung im Fernsehen verboten haben, bietet keine logische Erklärung für diese Wahl der Attentatsziele. Auch den bisher in den Medien zitierten Äußerungen des Al-Schababs-Sprechers Rage ist keine spezifische Begründung zu entnehmen.

Sollten die Anschläge wirklich im Auftrag von Al-Schabab erfolgt sein, wäre es die erste Aktion der somalischen Islamisten außerhalb des eigenen Landes. Es wäre außerdem ein Bruch mit ihrer bisherigen Praxis, nur militärische oder politische Ziele, aber keine Unbeteiligten anzugreifen.

Die Bomben von Kampala stellen die Bewertung der Sicherheitslage in Uganda durch die deutsche Bundesregierung in Frage. Seit Mai befinden sich über 100 Militärs aus EU-Ländern, darunter auch 13 Deutsche, in Uganda, um Rekruten für die somalische „Übergangsregierung“ auszubilden. Die Bundesregierung hat bisher eine Befassung des Parlaments mit diesem Militäreinsatz als überflüssig abgelehnt, da die Sicherheitslage in Uganda nicht bedrohlich sei.

Knut Mellenthin

Junge Welt, 14. Juli 2010